Geburtstagsgedichte zum 80. Geburtstag
Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit
sechzig zehnmal so reich sind, als sie mit zwanzig
waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei
zehnmal so glücklich.
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Flüchtiges Glück
Wie ein Sternblick flüchtig die Lilje berührt,
Die Schauernde, leisen Erbebens,
So umwittert, ach, allzuflüchtig entführt,
Uns die himmlische Schöne des Lebens.
Ich wandle traurig im Abendschein
Am stillen Ufer des Stromes,
Da thaut in die Seele mir Feuerwein
Vom Purpur des Aetherdomes!
Ich wandle her, ich wandle hin,
Und wie golden die Lüfte ziehen,
Ist die Blume des Glücks mir im trunk’nen Sinn,
Ein selig Wunder, gediehen.
Da faßt’ ich so gern in ein rauschend Lied
Dieß himmlische Leuchten und Klingen,
Doch flüchtig ob meinem Haupte zieht
Die Stunde mit Engelschwingen:
Wie mälig der Purpur des Abends verblüht,
Und die goldenen Wolken zerrinnen,
Ist die Flamme des Lieds auf der Lippe verglüht,
Und im Herzen das seligen Minnen!
Robert Hamerling
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