Das glückliche Alter

Das glückliche Alter.

Glücklich sind Jahre der heiteren Jugend,
Die noch die Wonne der Kindheit genießt:
Selig das Alter, wo reifere Tugend
Schmerzen der Brüder mit Liebe versüßt.

Freundlich sind munter gerötete Wangen;
Himmlisch, wenn Lilien und Rosen uns blüh’n:
Froher der Abend, wo, ohne zu prangen,
Silberne Locken die Stirne umzieh’n.

Schön ist’s der Gegenwart reizende Auen,
Herrlich dem kindlichen Sinn nur geschmückt,
Schöner vergangene Freude zu schauen,
Die noch den Greisen allmächtig entzückt.

Edler! dir leuchten die wärmenden Strahlen,
Und du erblickest ein lachendes Bild.
Frage die Zukunft, sie bringt dir nicht Qualen;
Besseren Seelen erscheinet sie mild.

Wage es immer den Schleier zu heben,
Der sie bis jetzt deinem Auge verhüllt,
Tröstend wird stets dich ihr Engel umschweben,
Er der allein deine Wünsche erfüllt.

Weile noch lange im Kreise der Deinen,
Wirke der Menschheit zum Segen noch fort:
Ruhig wirst du vor dem Schöpfer erscheinen,
Wenn dich einst ruft sein vergeltendes Wort.

Trage und dulde mit freudigem Herzen,
Wo dich das feindliche Schicksal berührt:
Bald überwunden sind drückende Schmerzen,
Wenn uns die Hoffnung durchs Leben nur führt.

Kinder und Enkel! in eurer Mitte
Findet der Vater der Blumen so viel,
O! darum lenkt seine wankenden Schritte,
Liebend, bis friedlich er nahet dem Ziel!

Luise Egloff